Ressourcenknappheit, in welcher Form auch immer, wird gemeinhin negativ dargestellt. Diese Knappheit – in den extremen Klimazonen des globalen Südens seit langem Realität und weltweit zunehmend zu einer solchen werdend – ist jedoch auch Treiber von Innovation, Inspiration und Einfallsreichtum. Unser Streben nach Beständigkeit, mit Räumen gebaut aus nicht-abbaubaren Materialien, der Entnahme nicht erneuerbarer Ressourcen und Gebäuden, die nur für eine einzige Nutzung konzipiert sind, trägt zur Knappheit bei. Pandemien, gewalttätige Konflikte und durch den Klimawandel verursachte Umweltkatastrophen prägen unsere heutige Lebenswelt. Besonders deutlich manifestiert sich dies im Globalen Süden, wo Innovationen, Strukturen und Systeme, die von den industrialisierten Ländern des Nordens durch Ausbeutung natürlicher Ressourcen geprägt wurden, meist keine langfristige und nachhaltige Perspektive haben. Dennoch besteht innerhalb dieser Einschränkungen ein enormes kreatives Potential, das Anlass zu Optimismus gibt.
Field Notes on Scarcity, das anlässlich der Sharjah Architecture Trienniale 2023 erscheint, untersucht, wie sich die Ressourcenknappheit vor Ort zeigt und welche Herausforderungen und Chancen sie für Architektur und Design birgt. 60 Autorinnen, Architekten, Designerinnen, Forscher, Fotografinnen, Künstler, Kuratorinnen und Theoretiker aus dem Globalen Süden – darunter Lesley Lokko, Yinka Shonibare, Formafantasma, Rahul Mehrotra, Olalekan Jeyifous, Abeer Seikaly, Ilze und Heinrich Wolff, Chitra Vishwanath, Deema Assaf – steuern Reflektionen, Gedichte, visuelle Essays und Dialoge bei. Sie alle erkunden, was Knappheit bedeutet, was sie offenbart und wen sie inspiriert.